Fuuuuuuuuußball-fanatische Ägypter

November 17, 2008

Oh wow. Und ich dachte, die Deutschen wären Fußball-verrückt, aber die Araber stehen wirklich in nichts nach.

Letztes Jahr im Sommer sah ich in Syrien wie die irakischen Flüchtlinge abgingen, als der Irak das Finale der Asiatischen Fußballmeisterschaften erreichte – und Wunder von Baghdad-mäßig auch noch gewann!

In Ägypten liefen seit ein paar Wochen die Endspiele der afrikanischen Champions League. Wenn Ahli, einer der zwei Kairoer Clubs, spielte, drängten sich die Männer in den Straßen vor den Cafes – dort übertrug meist in der Ecke ein Fernseher das Geschehen. Natürlich wurde gejubelt, wenn Tore fielen, sonst blieb es ruhig.

Gestern war alles anders, extremer. Finale: Ahli Kairo gegen Coton Sport aus Kamerun. Ich stieg aus der Metro in der Innenstadt aus und bildete mir ein, irgendwo Sprechchöre zu hören. Ich blieb auf dem Gehweg stehen und lauschte. Ein Ägypter sah mich und winkte mich mit in eine Nebenstraße. Oh wow. Die ganze Nebenstraße war gefüllt mit Menschen, ganz am Ende der Straße stand ein kleiner Fernseher. Die letzten 10 Minuten des Endspiels, ein paar trommelten auf Blechteller und alle sangen lauthals mit. (Siehe Video 1)

Kurz vor Ende schaffte Ahli den Ausgleich– 2:2. Sofort nach dem Tor wurde das Bild des Präsidenten Mubaraks eingeblendet. Anscheinend verdankt man ihm hier alles – auch ein Ausgleichstor.

Das Hinspiel hatte Ahli 2:0 gewonnen. Wenn nur bald der Abpfiff erfolgt, ist Ahli Meister…! Die Ägypter fingen schon einmal 3 Minuten vor Abpfiff an so laut zu pfeifen, dass es einem das Trommelfell perforierte. Geschafft! Ende! Ahli hat die afrikanische Champions League gewonnen! Ich verließ fluchtartig die kleine Gasse um in der Stampede nicht unterzugehen.

Draußen, auf der Hauptstraße – eine vierspurige Straße immerhin – rannten schon die ersten zwischen den hupenden Autos herum und wedelten rote T-Shirts (Ahli Farben). Nein nein, natürlich rannte niemand mit entblößtem Oberkörper herum. Sittsamkeit muss sein, trotz allen Freudentaumels. (Siehe Video 2)

Ich flitzte die Treppe vom Yogasaal rauf und drückte mich ans Fenster: Oh wow. (Siehe Video 3).

Oh wow.

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